KOSTBAR

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Am Wochenende war ich auf einem Flohmarkt. Diese Märkte, wo du alte und noch ältere Schätzchen finden kannst, sind seit Jahrzehnten allseits beliebt und an jeder Ecke und Milchkanne beheimatet. Ich freue mich immer unbändig wie ein kleines Kind, wenn ich unter dem ganzen Plunder wirkliche Raritäten (in meinen Augen ..) erspähe und zu einem Spottpreis mit nach Hause nehmen kann. Zudem handle ich gern. Aus Spaß. Aber oft gebe ich auch ein paar Euros mehr – wenn der Preis mir doch zu gering erscheint. Denn kleine Kostbarkeiten dürfen etwas kosten!

Letztens erstand ich auf den letzten Drücker, bevor eingepackt wurde!!, zwei Tiffany Leuchten. Eigentlich stehe ich nicht auf diese Art von Leuchtmitteln, ich liebe es da eher minimalistisch. Aber diese Lampen hatten es in sich – weißes, opak-irisierendes Glas, kegelförmig gestaltet, am Rand mit einer Borte von gelb – blauen Glaskügelchen verziert. Hinreissend!! Echte Handarbeit. Nicht kitschig. Für zwanzig Euro!! OMG!!

Am vergangenen Samstag schlenderte ich also wieder durch die Flohmarktstände und nahm mir richtig Zeit zum Schauen. Und ich wurde mehrfach fündig. Richtig coole Plastikketten im Stil der 70er Jahre gab’s da – für zwei Euro. Oder ein kleines Kaffeeservice mit Kännchen, Gießer und Zuckerdose, mit Goldrand und extravaganter Verzierung wechselte den Besitzer – für ganze zwölf Euro! Brauch ich zwar nicht wirklich, aber mein Herz freut sich. Als ich dann abends in meiner Gartenlaube saß, vor mir meine Schätzchen ausbreitete, mich freute und das stille Glück genoss, dachte ich, wie schön es jetzt gewesen wäre, einen kühlen Weißwein aus den dort gesichteten dünnen, zarten Gläsern mit Goldrand zu schlürfen. Um diese besagten Gläser bin ich mehrfach herumgestrichen – und hab widerstanden und sie (an dem Tag) erfolgreich stehengelassen. Nun, es schien eine reine Kopfentscheidung gewesen zu sein, sie nicht zu nehmen ..

Am nächsten Tag hatte ich nur einen Gedanken – ich bin ich flugs nach dem Gottesdienst zu dem Flohmarkt geradelt. Schnell zu dem Stand geschossen – ein kurzer Blick reichte – die begehrten Gläser standen noch da!!! Die nette, ältere Dame, die sie verkaufte, verriet mir, dass die Gläser besonders besonders wären, sie gehörten ‚Tante Hertha‘, die 96-jährig nun im Altersheim untergebracht sei. Nun, wenn sie ‚Tante Hertha‘ gehörten, dann konnte ich sie unmöglich stehen lassen.. Also, wir wurden uns schnell handelseinig und nun bin ich stolze Besitzerin von 4 hauchdünnen Weingläsern und 5 hauchdünnen Likeurgläsern – mit Goldrand!!  – Nachdem ich meine Weingläser verstaut hatte, war die Session aber noch lange nicht beendet! Jetzt ging es erst richtig los! Meine Freundin, die mich an dem Tag begleitete, erspähte in der Zwischenzeit einen Rock, die älteren Flohmarktverkaufsdamen liefen zur Höchstform auf und berieten uns, was das Zeug hielt, schleppten diese Bluse an und jenes Shirt, diese Kette und jenen Gürtel – es war eine wahre Freude!

Abends saß ich mit meiner totchicen, alt-neu gewandeten Freundin in meiner Gartenlaube und wir stießen gemeinsam auf unsere Einkäufe an. Mit besagten Gläsern und einem gut gekühlten Riesling. Wir bemerkten beim Anstoßen am Sound, dass die Gläser wohl noch dazu aus Bleikristall sind. WOW!

MEiN FAZiT: Kostbarkeit liegt im Auge des Betrachters. Wir lieben das, was uns wertvoll erscheint. Es ist nicht der Wert ansich, der ein Stück adelt, sondern es ist die Bedeutung, die wir ihm geben. Ist auch keine ganz so neue Erkenntnis, aber mir wurde es wieder einmal so richtig bewusst beim Einkaufen auf dem Flohmarkt. Du und ich – wir sind ebensolche kleinen Kostbarkeiten. Vielleicht schon etwas alt und an manchen Stellen etwas abgetragen und nicht mehr so glanzvoll, wie einst. Aber es gibt uns noch. Auch wenn wir einen Sprung in der Schüssel haben, so sind wir doch GANZ.SCHÖN.LEBENDiG. – 

Und noch etwas fiel mir auf: Unsere Weiblichkeit bestätigen – das können wir Frauen nur gegenseitig (grandios empfunden und dankbar empfangen bei der Beratungssession der alten Damen!!). Es sind nicht die Männer (der Papa von damals), die uns unsere Weiblichkeit (wirklich) bestätigen – es sind integrierte Frauen. Wenn wir Frauen mit unseren kleinen, verletzten Mädchen in Kontakt gekommen sind und unser Herz dort heil geworden ist, dann können wir uns ebenso heilsam unseren Schwestern zuwenden und eine heile Schwesternschaft, jenseits von Konkurrenz und Stutenbissigkeit, leben. Ist das schön? Auf diese Weise ‚entlasten‘ wir unsere Männer. Die mit sich zu tun haben.

Was las ich letztens in einer Studie? ‚Für Männer ist es gut, wenn sie Ehefrauen haben. Für Frauen ist es gut, wenn sie Freundinnen haben.‘ Ganz.Schön.Kostbar.

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