Auf den Spuren der Sehnsucht ..

Wenn Michelle Obama in ihrer viel beachteten Rede auf dem Parteitag der Demokraten unlängst ihren Landsleuten den klugen Rat gab, dass die Amerikaner ‚wählen gehen sollten, als hinge ihr Leben davon ab‘, so zitiere ich den folgenden Satz von ich-weiß-nicht-von-wem, der mir seit Tagen im Kopf herumschwirrt: 

‚Dance Like Nobody’s Watching‘.

Nach diversen Wochen eines Lebens, das nicht wirklich zum ‚mit Abstand‘ des besten zählt, was wir führen könnten, habe ich Sehnsucht nach einer Zeit, in der ich ‚einfach mal so‘ zum Einkaufen aufbrechen konnte. Ohne noch einmal umdrehen zu müssen, weil ich ein wichtiges Utensil vergessen habe, ohne das wir momentan riskieren,  als ‚persona non grata‘ abgestempelt zu werden. Vielleicht ein wenig übertrieben, diese Formulierung, aber irgendwie behindert dieses ’neuartige‘ Accessoire, dieses Stück Stoff vor Mund und Nase. Wie geht es Dir damit? Keine Angst, ich möchte an dieser Stelle keinen gesellschaftskritischen Artikel verfassen. Nein, ich möchte schreiben über eine Art von Sehnsucht, die sich unaufhörlich in mir breit und immer breiter macht. Eine große Sehnsucht nach ‚Normalität‘ – was auch immer das heißen mag in diesen Zeiten.

Geweckt wurde diese Sehnsucht durch ein Lied. Naja, nicht geweckt – eher zu Tage befördert. Gelesen hatte ich den Titel des Liedes zufällig in einem Blog. Eine sehr poetische, kleine Geschichte rankte sich rund um einen weisen Mann in einer uralten Stadt und um die Klänge des berühmten Tangoklassikers Por Una Cabeza von Carlos Cardel.  Die Geschichte erzählte von einem Paar, das den Tango tanzt und mit den Füßen ein Gedicht auf den Boden schreibt. Was für eine Verheißung .. Neugierig von diesem Setting, machte ich mich im Netz auf die Suche nach diesem Lied. Mein Herz staunte und meine Füße fingen sogleich an zu schreiben ..

Ich erinnerte mich an einen schwül-heißen Sommertag im August vor zwei Jahren. Unterwegs war ich zu der Zeit noch in München, ich machte mich nach einem Termin in Schwabing zu Fuß auf den Weg in Richtung Innenstadt. Vorbei am Alten Friedhof,entlang  an der TU und den Pinakotheken, gelangte ich in die Nähe des Königsplatzes. Die aktuelle Ausstellung im Lenbachhaus hatte ich bereits bei einem vorherigen Besuch inspiziert, ich wurde an dem Tag eher angezogen von sehnsüchtigen Klängen, die durch die feuchtwarme Luft flirrten. Immer den Ohren nach zog es mich zum gewaltigen, neoklassizistischen Gebäudekomplex der Staatlichen Antikensammlung. Dort oben, im säulengerahmten Entré des altehrwürdigen Museums drehte sich eine Reihe von Paaren – und sie schrieben alle wunderbare Gedichte mit ihren Füßen auf den kühlen Sandsteinboden. Ich war verzaubert. Ich setzte mich auf die Stufen und lauschte. Meine Blicke sogen die  vertraute Anmut, die zwischen den Tänzern herrschte und  die erotische Spannung, die in der Luft lag, förmlich auf.